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Was unterscheidet reine Elektrofahrzeuge von Verbrennern?

Was unterscheidet reine Elektrofahrzeuge von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor: Vergleich zu Wirkungsgrad, Antrieb, Wartung, Reichweite, Kosten.

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David Leimann
08.01.2026
8 min
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Verbrenner Motor in einer Werkstatt

Was unterscheidet reine Elektrofahrzeuge von Verbrennern?

Die Automobilbranche befindet sich in einem fundamentalen Wandel. Während Elektrofahrzeuge zunehmend die Straßen erobern, stellen sich viele Ingenieure und Entwicklung Verantwortliche die Frage: Was unterscheidet reine Elektrofahrzeuge von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor eigentlich technisch voneinander? Die Antwort liegt in grundlegend verschiedenen Antriebskonzepten, die unterschiedliche Anforderungen an Konstruktion, Wartung und Betrieb stellen.

Reine Elektrofahrzeuge nutzen einen Elektromotor mit Batteriespeicher, während Verbrenner fossile Kraftstoffe in mechanische Energie umwandeln. Diese Unterschiede beeinflussen nicht nur die Fahrzeugeigenschaften, sondern auch Entwicklungsprozesse, Fertigungsanforderungen und Serviceleistungen erheblich. Für Unternehmen in der Automobil- und Zulieferindustrie sind diese technischen Differenzen entscheidend für strategische Produktentscheidungen.

Grundlegende Antriebstechnologien im direkten Vergleich

Elektromotor vs. Verbrennungsmotor: Funktionsprinzipien

Der zentrale Unterschied liegt im Energiewandlung Prinzip. Elektromotoren wandeln elektrische Energie direkt in Rotationsbewegung um, während Verbrennungsmotoren zunächst chemische Energie durch Verbrennung in thermische und dann in mechanische Energie transformieren. Diese Kette zusätzlicher Umwandlungsschritte führt zu grundlegend verschiedenen Wirkungsgraden.

Elektromotoren erreichen Spitzenwirkungsgrade von über 95 Prozent, da nahezu die gesamte zugeführte elektrische Energie in Bewegung umgesetzt wird. Verbrennungsmotoren hingegen weisen aufgrund thermodynamischer Verluste deutlich niedrigere Wirkungsgrade auf. Moderne Ottomotoren erreichen bestenfalls 35-40 Prozent, Dieselmotoren bis zu 45 Prozent.

Drehmomentcharakteristik und Leistungsabgabe

Ein wesentlicher technischer Unterschied zeigt sich im Drehmomentverhalten. Elektromotoren stellen ihr maximales Drehmoment bereits beim Start zur Verfügung, was eine sofortige und lineare Beschleunigung ermöglicht. Verbrennungsmotoren müssen hingegen ihre optimale Betriebsdrehzahl erreichen, um maximales Drehmoment zu entwickeln.

Diese Eigenschaft hat direkte Auswirkungen auf die Getriebetechnik. Elektrofahrzeuge benötigen oft nur ein einstufiges Getriebe oder kommen ganz ohne Schaltgetriebe aus, während Verbrenner mehrstufige Getriebe zur optimalen Drehzahlwandlung benötigen.

Was ist ein Verbrennungsmotor?

Ein Verbrennungsmotor ist eine Wärmekraftmaschine, die durch die kontrollierte Verbrennung von Kraftstoff mechanische Arbeit erzeugt. Das Grundprinzip basiert auf dem thermodynamischen Otto- oder Diesel-Kreisprozess, bei dem ein Kraftstoff-Luft-Gemisch im Brennraum gezündet wird und die entstehende Druckwelle über Kolben und Kurbelwelle in Rotationsbewegung umgesetzt wird.

Moderne Verbrennungsmotoren bestehen aus hunderten beweglicher Teile: Kolben, Pleuelstangen, Kurbelwelle, Ventile, Nockenwellen, Einspritzsysteme und Aufladeturbine arbeiten in präziser Abstimmung zusammen. Diese Komplexität erfordert aufwendige Fertigungsprozesse, präzise Toleranzen und regelmäßige Wartung.

Wann gab es den ersten Verbrennungsmotor?

Der erste funktionsfähige Verbrennungsmotor wurde 1860 von Étienne Lenoir entwickelt. Sein Gasmotor arbeitete mit einem Gemisch aus Leuchtgas und Luft und erreichte einen Wirkungsgrad von etwa zwei Prozent. Dieser Motor markierte den Beginn der motorisierten Mobilität, auch wenn seine Effizienz noch weit von heutigen Standards entfernt war.

Die entscheidende Weiterentwicklung erfolgte 1876 durch Nikolaus Otto mit dem Viertaktverfahren. Sein Motor erreichte bereits einen Wirkungsgrad von 14 Prozent und bildete die Grundlage für die moderne Ottomotortechnik.

Wer hat den Verbrennungsmotor erfunden?

Die Erfindung des Verbrennungsmotors ist das Ergebnis mehrerer Entwicklungsschritte verschiedener Ingenieure. Als Erfinder des ersten praktisch nutzbaren Verbrennungsmotors gilt Étienne Lenoir, der 1860 seinen Gasmotor zum Patent anmeldete und erfolgreich kommerziell vermarktete.

Nikolaus Otto revolutionierte 1876 die Technik mit seinem Viertaktverfahren (Ansaugen, Verdichten, Arbeiten, Ausstoßen), das bis heute die Grundlage aller Ottomotoren bildet. Rudolf Diesel entwickelte 1897 den Selbstentflammungsmotor, der seinen Namen trägt und durch höhere Verdichtung und Effizienz besticht.

Bauweise und Systemkomplexität

Mechanische Komplexität und Bauteilanzahl

Die konstruktiven Unterschiede zwischen Elektro- und Verbrennungsfahrzeugen sind gravierend. Ein typischer Verbrennungsmotor besteht aus über 2.000 Einzelteilen, während ein Elektromotor mit etwa 20 Bauteilen auskommt. Diese Reduktion der mechanischen Komplexität hat direkte Auswirkungen auf Fertigung, Qualitätskontrolle und Ausfallwahrscheinlichkeit.

Verbrennungsmotoren benötigen zusätzlich komplexe Nebenaggregate: Kraftstoffpumpen, Einspritzsysteme, Abgasreinigung, Kühlung, Schmierung und Steuerungstechnik. Elektrofahrzeuge reduzieren diese Systemvielfalt auf Batteriemanagement, Leistungselektronik und thermisches Management des Elektromotors.

Kühlungs- und Thermomanagement

Beide Antriebsarten erfordern ausgeklügelte Kühlsysteme, aber mit unterschiedlichen Anforderungen. Verbrennungsmotoren produzieren hohe Abwärme durch den Verbrennungsprozess und benötigen leistungsstarke Kühler für Motor und Getriebe. Die Betriebstemperaturen liegen typisch zwischen 80-100°C.

Elektrofahrzeuge benötigen präzises Thermomanagement für Batterie und Leistungselektronik. Die Batterie arbeitet optimal in einem Temperaturfenster von 15-35°C, während die Leistungselektronik vor Überhitzung geschützt werden muss. Moderne Elektrofahrzeuge setzen daher auf integrierte Kühlkreisläufe mit Wärmepumpen für maximale Effizienz.

Elektroauto wird gerade aufgeladen

Energiespeicherung und Reichweite

Energiedichte und Tankvolumen

Der Hauptunterschied in der praktischen Nutzung liegt in der Energiespeicherung. Benzin und Diesel weisen eine Energiedichte von etwa 44 MJ/kg auf, während moderne Lithium-Ionen-Batterien nur etwa 0,7 MJ/kg erreichen. Diese physikalische Begrenzung erfordert bei Elektrofahrzeugen deutlich größere und schwerere Energiespeicher für vergleichbare Reichweiten.

Ein 50-Liter-Benzintank wiegt gefüllt etwa 90 kg und speichert rund 500 kWh Energie. Eine vergleichbare 85-kWh-Batterie wiegt hingegen etwa 600 kg. Dieser Gewichtsunterschied beeinflusst Fahrwerk, Bremssystem und gesamte Fahrzeugauslegung erheblich.

Ladezeit vs. Tankzeit

Die Energiebeladung unterscheidet sich fundamental zwischen beiden Systemen. Konventionelle Fahrzeuge können in 3-5 Minuten vollgetankt werden und erreichen sofort ihre volle Reichweite. Elektrofahrzeuge benötigen je nach Ladetechnologie zwischen 30 Minuten (Schnellladung) und mehreren Stunden (Wechselstrom-Ladung) für eine vollständige Batterieladung.

Diese Zeitdifferenz hat direkte Auswirkungen auf Flottenmanagement und Einsatzplanung, insbesondere in gewerblichen Anwendungen mit hohen Tagesfahrleistungen.

Wartung und Betriebskosten

Verschleißteile und Serviceanforderungen

Verbrennungsmotoren erfordern regelmäßige Wartung zahlreicher Verschleißteile: Motoröl, Luft- und Kraftstofffilter, Zündkerzen, Zahnriemen und Bremsflüssigkeit müssen in festgelegten Intervallen erneuert werden. Diese Wartungsintensität resultiert aus der hohen mechanischen Beanspruchung und den extremen Betriebsbedingungen im Motor.

Elektrofahrzeuge reduzieren den Wartungsaufwand erheblich. Der Elektromotor läuft praktisch verschleißfrei, es entfallen Ölwechsel, Filtererneuerung und die meisten mechanischen Verschleißreparaturen. Hauptwartungspunkte sind Reifen, Bremsen und gelegentliche Kühlmittelkontrollen.

Lebensdauer und Zuverlässigkeit

Moderne Elektromotoren erreichen Laufleistungen von über 500.000 Kilometern ohne größere Reparaturen. Ihre einfache Konstruktion und die geringe mechanische Belastung führen zu außergewöhnlicher Langlebigkeit. Verbrennungsmotoren erreichen bei ordnungsgemäßer Wartung 200.000-300.000 Kilometer, benötigen jedoch während dieser Zeit mehrere größere Servicemaßnahmen.

Die Batterie stellt bei Elektrofahrzeugen den einzigen größeren Kostenfaktor dar. Moderne Batterien sind jedoch für 8-10 Jahre oder 160.000 Kilometer ausgelegt und behalten auch danach noch 70-80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität.

Emissionen und Umweltauswirkungen

Lokale Emissionen und Luftqualität

Der deutlichste Unterschied zeigt sich bei den lokalen Emissionen. Elektrofahrzeuge produzieren während der Fahrt null direkte Emissionen, während Verbrennungsfahrzeuge kontinuierlich CO₂, Stickoxide, Kohlenmonoxid und Partikel ausstoßen. Diese Eigenschaft macht Elektrofahrzeuge besonders attraktiv für den urbanen Einsatz und Umweltzonen.

Verbrennungsmotoren haben trotz moderner Abgasreinigungstechnologien immer noch messbare Emissionen. Selbst Euro-6-Motoren stoßen unter realen Fahrbedingungen CO₂ und andere Schadstoffe aus, die bei Elektrofahrzeugen komplett entfallen.

Geräuschemissionen

Elektromotoren arbeiten nahezu lautlos und reduzieren Verkehrslärm erheblich. Bei niedrigen Geschwindigkeiten sind Elektrofahrzeuge so leise, dass künstliche Fahrgeräusche für die Verkehrssicherheit erforderlich sind. Verbrennungsmotoren erzeugen durch Verbrennung, mechanische Komponenten und Abgasanlage charakteristische Geräusche, die besonders in Wohngebieten als Belastung empfunden werden.

Entwicklungsausblick und Zukunftstechnologien

Hybridtechnologien als Brückenlösung

Hybrid-Antriebe kombinieren beide Systeme und nutzen die Vorteile beider Technologien. Plug-in-Hybride ermöglichen elektrisches Fahren im Stadtverkehr und Langstreckenfahrten mit Verbrennungsmotor. Diese Technologie bietet einen praktischen Kompromiss während der Übergangsphase zur vollständigen Elektrifizierung.

Wasserstoff als alternative Zukunftstechnologie

Wasserstoffverbrennungsmotoren (H₂ICE) stellen eine interessante Alternative dar, die die bewährte Verbrennungsmotortechnik mit emissionsfreiem Betrieb verbindet. Bei Felsaris entwickeln wir solche Wasserstoffmotoren durch Umrüstung konventioneller Aggregate und erreichen dabei null CO₂-Emissionen bei minimalen NOx-Werten. Diese Technologie eignet sich besonders für Anwendungen mit hohen Reichweitenanforderungen und schnellen Betankungszyklen.

Auto fährt auf der Autobahn und im Hintergrund sind Kraftwerke

Fazit: Zwei Welten der Antriebstechnik

Die Unterschiede zwischen Elektrofahrzeugen und Verbrennungsfahrzeugen sind fundamental und betreffen alle Aspekte von Konstruktion, Betrieb und Wartung. Elektrofahrzeuge bieten höhere Effizienz, geringere Wartungsanforderungen und lokale Emissionsfreiheit, während Verbrennungsfahrzeuge derzeit noch Vorteile bei Reichweite, Tankgeschwindigkeit und Infrastruktur aufweisen.

Für Entwicklungsingenieure und Automobilhersteller bedeutet dieser Technologiewandel eine komplette Neuausrichtung der Kompetenzen. Die Zukunft der Mobilität wird wahrscheinlich eine Koexistenz verschiedener Antriebstechnologien bringen, angepasst an spezifische Anwendungsanforderungen. Innovative Lösungen wie Wasserstoffverbrennungsmotoren zeigen, dass auch bewährte Technologien nachhaltig weiterentwickelt werden können.

Sie entwickeln innovative Antriebskonzepte oder planen die Umstellung auf alternative Antriebe? Felsaris unterstützt Sie mit modernste Simulationstechnologien und Entwicklungskompetenzen bei der Realisierung zukunftsfähiger Mobilitätslösungen. Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Beratung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Antriebstechnologie ist effizienter?

Elektromotoren sind etwa dreimal effizienter als Verbrennungsmotoren. Sie wandeln über 90% der zugeführten Energie in Bewegung um, während Verbrennungsmotoren nur 35-45% erreichen. Der Unterschied liegt in den physikalischen Energiewandlungsprinzipien.

Wie unterscheiden sich die Wartungskosten?

Elektrofahrzeuge benötigen deutlich weniger Wartung, da verschleißintensive Komponenten wie Motoröl, Filter und Zündkerzen entfallen. Verbrennungsfahrzeuge erfordern regelmäßige Servicemaßnahmen alle 15.000-30.000 Kilometer, während Elektrofahrzeuge hauptsächlich Reifen- und Bremsenwartung benötigen.

Welche Reichweiten sind realistisch?

Moderne Elektrofahrzeuge erreichen 300-500 Kilometer Reichweite, während Verbrennungsfahrzeuge typisch 600-800 Kilometer schaffen. Der Unterschied ist jedoch stark von Fahrzeugklasse, Fahrweise und Umgebungsbedingungen abhängig.

Wie lange dauert das Laden bzw. Tanken?

Benzin- und Dieselfahrzeuge sind in 3-5 Minuten vollgetankt. Elektrofahrzeuge benötigen 30-60 Minuten am Schnelllader oder 6-12 Stunden an der heimischen Wallbox. Diese Zeitdifferenz erfordert angepasste Nutzungsgewohnheiten.

Sind Elektrofahrzeuge wirklich umweltfreundlicher?

Elektrofahrzeuge produzieren lokal null Emissionen und sind über den gesamten Lebenszyklus klimafreundlicher, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Bei Kohlestrom reduziert sich der Vorteil, bleibt aber aufgrund der höheren Motoreffizienz bestehen.